Die Forschungsschwerpunkte des Instituts umfassen sowohl europäische und außereuropäische Religionsgeschichte (mit einem Fokus auf Asien) als auch theoretische Aspekte des Faches Religionswissenschaft (mit einem Schwerpunkt auf Religionssoziologie, Genderthemen oder dem Verhältnis von Religionen und Medien).
Aktuelle drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte
FWF-Projekt "Gender and the Bible"
Nicole Bauer leitet das FWF-Forschungsprojekt "Gender and the Bible", eine empirische Untersuchung römisch-katholischer und evangelikaler Gruppen in Osterreich. Mehr dazu auf der Projekthomepage.
International Graduate School "Resonant Self-World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices"
Franz Winter ist "member of faculty" der International Graduate School "Resonant Self-World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices", die mit dem Max Weber Kolleg/Universität Erfurt und der Universität Graz verbunden ist. Er betreut darin aktuell sieben Dissertation auf Basis einer cotutelle Vereinbarung mit der Universität Erfurt.
Traditionalist East Asia
Franz Winter leitet gemeinsam mit Lukas Pokorny, Universität Wien, das Forschungsprojekt Traditionalist East Asia, das sich mit der Rezeption Ostasiens in spezifischen Strömungen der westlichen Esoterik beschäftigt. Im Rahmen des Projektes ist Dr. Marleen Thaler am Institut beschäftigt.
Der Traditionalismus ist eine dem alternativ-religiösen Spektrum zuzuordnende dezidiert anti-modernistische Strömung, die vor allem auf den Lehren des französischen Denkers René Guénon (1886–1951) zurückgeht. Von seiner Grundkonzeption her ist der Traditionalismus insbesondere der Vorstellung des sogenannten „Perennialismus“ verpflichtet, d.h. die Annahme einer alle großen Religionen durchdringenden universalen Wahrheit, die es freizulegen gilt. Traditionalist*innen bedienen sich primär bei asiatischen Religionen und deren Konzepten – etwa islamischer Sufismus, indischer Vedanta aber auch ostasiatische Religionen wie der japanische Zen-Buddhismus, Shinto oder der chinesische Daoismus – und passen diese in orientalistischer Manier selektiv in das eigene Gedankengebäude ein. Obwohl die wichtigsten Protagonist*innen des Traditionalismus lange tot sind, entfalten ihre Ideen und Werke bis heute großen Einfluss. Die Lehren des italienischen Denkers Julius Evola (1898–1974) etwa sind wichtige Impulsgeber für die Alt-Right-Bewegung und ihre diversen esoterischen und neopaganen Manifestationen. Evolas Rezeption des Zen-Buddhismus spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dazu kommt, dass traditionalistische Lesarten (ost)asiatischer Religionen bis heute auch deren allgemeine Wahrnehmung beeinflussen.
Das Projekt setzt an diesem Punkt an und möchte eruieren, wie maßgebliche Denker*innen des Traditionalismus ostasiatische Religionen und deren Konzepte verhandeln und wie diese bis zur Gegenwart in unterschiedlichen bisweilen hochbrisanten religiösen und politischen Diskursen fortleben.
Governance der religiösen Diversität im postsozialistischen Albanien
Evelyn Reuter leitet das FWF-Forschungsprojekt " Governance Processes of Religious Diversity in Post-Socialist Southeast Europe", wozu sie die Rolle religiöser Minderheiten im interreligiösen Dialog in Albanien untersucht.
Projektlaufzeit:
2026–2028
Das Forschungsprojekt untersucht die Rolle religiöser Minderheiten im interreligiösen Dialog in Albanien, wobei Minderheiten qualitativ als Gruppen verstanden werden, die im Vergleich zu anderen Religionsgemeinschaften weniger Privilegien oder Sichtbarkeit besitzen. Im Mittelpunkt steht, wie verschiedene Gruppen – zum Beispiel die katholische Kirche, Sufi-Orden und die Bahá’í-Gemeinschaft – am Dialog zwischen den Religionen teilnehmen, ob sie einbezogen oder ausgeschlossen werden und inwieweit sie sich selbst repräsentieren können.
Das Projekt schafft ein besseres Verständnis dafür, wie religiöse Vielfalt in Albanien gelebt wird und welche Bedeutung der interreligiöse Dialog für das Zusammenleben in einer sich wandelnden Gesellschaft hat. Es liefert zudem zeitgeschichtliche Einblicke in das religiös-politische Albanien, wo religiöse Vielfalt nach der atheistischen sozialistischen Vergangenheit ein besonderes soziales Merkmal ist.
Ein Schwerpunkt liegt darauf, interreligiösen Dialog als eine Form von Governance religiöser Vielfalt zu analysieren – also als Prozesse, durch die das Zusammenleben und die Sichtbarkeit verschiedener Religionsgemeinschaften gestaltet und verhandelt werden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Religionsgemeinschaften zu stärken, religiösen Minderheiten mehr Sichtbarkeit und eine Stimme zu geben und Vorurteile abzubauen.
Projektpartner:innen (nationale und internationale):
- Karsten Lehmann (Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien-Krems, KPH), Forschungsprofessor für Interreligiosität an der, Sprecher der Arbeitsgruppe „Religion und Politik“ (AK RelPol) der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW)
- Cecilie Endresen (University of Oslo), Professorin für Religionswissenschaft, Mitglied der multidisziplinären Forschungsinitiative Religion and Politics (RelPol) in Oslo
- István Keul (University of Bergen), Professor am Institut für Archäologie, Geschichte, Kulturwissenschaften und Religion, Mitglied der Forschungsgruppe Minority Studies in Bergen
Individuelle Forschung
Gegenwartsreligiosität, Katholizismus in der Gegenwartsgesellschaft, Exorzismus und Besessenheit in der Gegenwartsgesellschaft, Judentum und Kabbala in Geschichte und Gegenwart, Religion und Medizin, Religion und Psychotherapie, Neue religiöse Bewegungen, Religionsökonomie, Religion und Gender, sozialwissenschaftliche Methoden in der Religionsforschung.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Europäische Religionsgeschichte ( Spätantike/Mittelalter), Repräsentationen von Religion in Film und TV sowie die Beziehungen von Körper, Gender und Religion.
Geschichte des Kontaktes zwischen Europa und Asien von der Antike bis zur Gegenwart, Religionsgeschichte Süd-, Ost- und Westasiens, neureligiöse Bewegungen in Ost und West, Esoterikforschung, Religion und Medien.
Religion im zeitgenössischen Südosteuropa, insb. Albanien und (Nord-)Mazedonien; religiöse, ethnische und kulturelle Vielfalt (Dialog, Kontakte, Minderheiten, Migration); Religionsökonomie und -politik (religiöse Kulturgüter, Governance, Management, Transformationsprozesse); religiöse Räume.
Weitere aktuelle Publikationen
Gemeinsam mit Lukas Pokorny hat Franz Winter ein special issue des renommierten Journals NUMEN. Journal for the History of Religions herausgegeben, das sich unter dem Titel "Euro-American Esoteric Readings of East Asia" mit Aspekten der Rezeption Chinas in der europäischen Neuzeit auseinandersetzt.
Das issue ist bereits online einsehbar. Der Artikel von Franz Winter beschäftigt sich mit der Chinarezeption bei einem bedeutenden französischen Okkultisten des ausgehenden 19. Jh.
The topic of "prophecy" is significant for the Jewish and Christian Bible and the Qur'an in different ways. This volume brings together contributions from a historical and reception-historical perspective, on the one hand tracing the times and spaces from the ancient Near East to late antiquity, and on the other hand concentrating on prophetic figures. Both passages reveal how the phenomenon of prophecy can be grasped historically and textually, how existing traditions were used and how they were transformed in reception. The book concludes with an updated look at the practice of communicating prophetic texts.
Author's portrait
Prof. Dr. Marie-Theres Wacker teaches Old Testament and Women's Theology at the University of Münster.
Prof. Dr. Ulrike Bechmann taught religious studies at the University of Graz.
Prof. Dr. Gerhard Langer teaches Jewish Studies at the University of Vienna.
Published by: Kohlhammer Verlag 2023. 301 pages, paperback, 232mm x 155mm x 15mm
Series: Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament (BWANT), Volume 237
ISBN 978-3-17-042456-2
Media industry is a vibrant element of East Asian popular culture that has become increasingly important on a global level in the last decades. Japanese, and recently South Korean and Chinese films or TV series have a growing and worldwide audience not least because of easier access through streaming services. The many film productions provide a multifaceted arena of highly diverse content that spans nearly all aspects of the cultural developments in the countries. Religion has always played a major role in these contexts in various ways and in accordance with the highly diversified religious landscape of East Asia. Consequently, this issue brings together contributions on Japanese, Chinese and Korean films, including one additional glimpse to South Asia, presenting portrayals of independent filmmakers, highly renowned classics, but also examples of manga and anime, the cyberpunk genre, or on most recent highly successful streaming series. The admittedly small sample we can provide is intended to pique curiosity and encourage readers to delve more deeply into the multifaceted and intriguing relationship between religion and media in Asia. If the presented contributions inspire academic discussions and further research, then this issue will have served its purpose.
Information about the work can be found you here.