Zum Vortrag:
Religion kann Menschen Halt geben, Sinn stiften und dabei helfen, Krisen, Krankheit, Verluste und existenzielle Unsicherheit zu bewältigen. Religiöse Gemeinschaften können soziale Unterstützung bieten, Rituale können Übergänge strukturieren, und der Glaube kann Erfahrungen in größere Sinnzusammenhänge einordnen. Aber macht Glaube tatsächlich resilient? Die Antwort ist weniger eindeutig, als es zunächst scheint. Religion kann eine wichtige Ressource im Umgang mit Belastungen sein. Sie kann jedoch auch Ängste verstärken, Abhängigkeiten erzeugen oder Leiden religiös deuten und damit problematische Bewältigungsstrategien fördern. Besonders deutlich wird diese Ambivalenz dort, wo religiöse und psychologische Erklärungen aufeinandertreffen: Ist eine Krise Ausdruck einer psychischen Belastung, einer spirituellen Erfahrung oder vielleicht sogar dämonischer Einflussnahme? Wer entscheidet darüber, welche Deutung gilt und welche Hilfe angemessen ist? Ausgehend von religionswissenschaftlicher Forschung zu Religion, Psychotherapie, (religiöser) Heilung geht der Vortrag der Frage nach, unter welchen Bedingungen Religion zur Ressource für Resilienz werden kann und wann sie selbst zum Risikofaktor wird. Anhand konkreter Beispiele wird gezeigt, wie religiöse Traditionen und Akteur:innen psychologisches Wissen aufnehmen, verändern und mit eigenen Vorstellungen von Heilung und Krisenbewältigung verbinden. Damit richtet sich der Blick auch auf ein Spannungsfeld, das in pluralen Gesellschaften zunehmend an Bedeutung gewinnt: das Verhältnis von Glaube, psychischer Gesundheit und therapeutischer Hilfe.
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